15.05.06 19.00-21.00 Uhr, TU Dresden Grüne Hochschuldebatten
Hochschulreform zwischen Gruppenhochschule und Management-Universität Universitäten und Fachhochschulen werden seit geraumer Zeit zu den wichtigsten Reformbaustellen der Republik ausgerufen. Der Ruf nach einem grundlegenden organisatorischen Wandel kommt dabei nicht nur aus den Hochschulen, sondern insbesondere aus der Wirtschaft. Demnach werden Hochschulen immer mehr zum Motor wirtschaftlicher Entwicklung, sie sollen den Innovationsstandort Deutschland stärken und das Fachkräfteproblem lösen. Zur Wahrnehmung dieser Ziele sollen sich Hochschulen nach Möglichkeit auch unternehmensähnlich organisieren. Der Wahlspruch der Managementuniversität: Wo heute Wissenschaft ist, wird morgen Wirtschaft sein.
Allzu schnell gerät so der ursprüngliche Sinn von Wissenschaft, möglichst frei von gesellschaftlichen Zwängen Wissen zu generieren und zu vermitteln, aus dem Blick. Wirtschaftsrelevante Wissenschaft sieht sich einem zunehmenden Verwertungsdruck ausgesetzt, wirtschaftsferne Disziplinen sehen zusehends ihre Legitimation angezweifelt. Währenddessen werden immer mehr Einsprüche gegen die technokratische Umsteuerung des Bildungswesens angemeldet. Die Organisation der Hochschulen müsse dem Eigensinn der Wissenschaft gerecht werden, das Modell der Gruppenhochschule bedürfe der Weiterentwicklung.
Vor diesem Hintergrund wird die Diskussion um die Stiftungsuniversität mit besonderer Vehemenz geführt. Während die einen den Stiftungsgedanken im Sinne einer unternehmerischen Hochschule vorantreiben wollen, bekennt sich mittlerweile eine Mehrheit der TU Dresden zur Gruppenhochschule. Infolgedessen stellt sich die Frage nach anderen Modellen der Universitätsorganisation. So verwirklicht die TU Darmstadt unter Beibehaltung der Gruppenuniversität einen hohen Grad an Autonomie, ohne die ökonomische Relevanz ihrer Arbeit zu verleugnen.
Für die anstehende Hochschulreform in Sachsen stellen sich brisante Fragen: Welche gesellschaftlichen Ansprüche an die Hochschulen sind legitim? Wie viel organisatorische Selbstständigkeit braucht die Verwirklichung der Wissenschaftsfreiheit? Welche Konsequenzen lassen sich aus der gestiegenen ökonomischen Relevanz der Wissenschaft für die konkrete Hochschulorganisation ableiten? Welche Alternativen gibt es zwischen Gruppenhochschule und Managementuniversität?
15.05.06 19.00-21.00 Uhr
TU Dresden