
Wortmeldung zum Petersburger Dialog: Möglichkeiten und Grenzen politischer Kunst in RusslandDie Veranstaltung „Möglichkeiten und Grenzen politischer Kunst in Russland“ am 08.10.2006 im grünland, dem Regionalbüro des MdL Dr. Gerstenberg verstand sich als weitere Wortmeldung zum in Dresden stattfindenden Petersburger Dialog". Dabei diskutierten mit Maxim Neroda (Mitglied der experimentellen Gruppe CAT (Contemporary Art Terrorism aus Novosibirsk), Dmitrij Wilenskij (Künstler, politischer Aktivist und Herausgeber der Zeitung «Tschto delat?» aus Sankt-Petersburg) sowie Dr. Igor Chubarov (Philosoph und Mitherausgeber der Zeitschrift «Logos» aus Moskau) namhafte Vertreter der aktuellen politischen Kulturszene Russlands. Die Veränderungen zum Ende der 1990er Jahre erfassten in Russland alle Bereiche der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund rasanter Veränderungen der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Strukturen nach dem Putsch von 1990 postulierten die "radikalen Künstler" oder "Aktionskünstler" in Russland grundlegend neue Ansicht über die Rolle der Künste in gesellschaftlichen Prozessen. Im Gegenzug zur allgemeinen Entfremdung der Politik und der Künste von der Gesellschaft waren die Aktionskünstler bewusst in lebensnahen Bereichen tätig und traten so in ein Konkurrenzverhältnis zu den Massenmedien, politischen Parteien und staatlichen Instituten. Sie nutzten bei ihren Aktionen die gesellschaftliche Sonderrolle der Massenmedien, um die Öffentlichkeit durch ihre Aktionen mit der vorgefundenen gesellschaftlichen Wirklichkeit zu konfrontieren. Als grundlegendes Problem kristallisierte sich dabei vor allem in den letzten Jahren die zunehmende Kommerzialisierung einst dissidenter Kunstformen heraus. Darauf entwickelten sich durchaus verschiedene Antworten. Während Dabei wurden ausführlich Aktionsbeispiele der verschiedenen KünstlerInnen und die Reaktion der Behörden darauf anhand von Filmausschnitten gezeigt. Besonders extrem ist der Fall des Rostover Künstlers Avdei Ter-Oganian, der als Mitglied der Künstlergruppe «Kunst oder Tod» als Resultat einer Kunstperformance 1998 von der Moskauer Staatsanwaltschaft wegen «Schüren religiösen Hasses» angeklagt, zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde und seitdem im Exil leben muss.
|


