Dr. Karl-Heinz Gerstenberg

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Datum: 19.05.2012

Parlamentarische Initiativen:

Anträge Kulturverwaltung:

Landesstelle für Museumswesen

Die wichtigsten kulturpolitischen Debatten im Sächsischen Landtag waren eher strukturpolitische: Der Verwaltungsreform-Ansatz der Staatsregierung wollte auch die relevante Kultureinrichtungen neu ausrichten – oder gleich ganz entsorgen.So sollten die Landesstelle für Museumswesen weitgehend abgeschafft, ihre Aufgaben auf reine Fördertätigkeit reduziert werden. Dagegen stellte sich unsere Fraktion mit einem Antrag. Die hochkarätig besetzte Anhörung vor dem Ausschuss für Wissenschaft und Kunst im Landtag, bei der sich ausnahmslos alle elf Sachverständigen für den Erhalt der Landesstelle aussprachen, überzeugte schließlich auch die Koalition. So kann die  Landesstelle für Museumswesen ihrer umfassenden beratenden, begleitenden Tätigkeit weiterhin nachgehen und der starke und notwendige Partner für die mehr als 400 nichtstaatlichen Museen im Freistaat sein.

Schlösser und Gärten:

Was sich die Staatsregierung nicht im Zuge der Verwaltungsreform getraute, prüfte sie ein Jahr später: die Privatisierung des Staatsbetriebes „Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten“. In Verkennung ihrer Verantwortung für das bedeutende Kulturelle Erbe des Freistaates hätte sie sich damit einer wichtigen Einflussmöglichkeit auf die Zukunft dieser Zeugnisse sächsischer Vergangenheit entledigt. Gemeinsam mit der Fraktion Die Linke stellten wir den Antrag „Keine Privatisierung des Staatsbetriebes „Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten“. Einer sehr emotionalen Debatte im Plenum folgte zwar die Ablehnung. Jedoch scheint den Befürwortern der Privatisierung klar geworden zu sein, dass sie mit erheblichem Widerstand zu rechnen haben.


Kultur- und Künstlerförderung
Soziale Lage bildender Künstler:

Sachsen ist zu Recht stolz auf seine kulturellen Schätze. Nur werden diejenigen vergessen, die diese Schätze für künftige Generationen schaffen. Die soziale Lage bildender Künstler ist erschreckend: Eine Umfrage des Sächsischen Künstlerbundes ergab, dass 62 Prozent der Künstler bis zu 500 Euro, 32 Prozent bis zu 100 Euro und nur 6 Prozent mehr als 1.500 Euro aus künstlerischer Tätigkeit erwarben. Dass Künstler Ausstellungshonorar bekommen ist genauso wenig üblich wie eine angemessene Katalogförderung. In dem Antrag „Initiativen zur Verbesserung der Situation bildender Künstler in Sachsen forderten wir nach geeigneten Maßnahmen, um diesem Missstand begegnen zu können. Dieser Antrag wurde in Teilen von der Koalition angenommen. Seine Umsetzung verläuft allerdings schleppend: Noch sehen sich die Ministerien und ihre nachgeordneten Einrichtungen nicht in der Lage, Ausstellungshonorare zu zahlen. Immerhin wurde aber ein Katalogförderungsprogramm bei der Sächsischen Kulturstiftung aufgelegt.

Bibliotheken:
Zwar hat Sachsen eine ausgeprägte Bibliothekstradition. So entstand die erste im heutigen Sinne öffentliche Bibliothek 1833 in Großenhain. Und die Großstadtbibliotheken Chemnitz und Dresden gehören regelmäßig zu den Auszeichnungsanwärtern, wenn es um die besten Bibliotheken Deutschlands geht. Doch trotzdem finden sich auf der Internetseite www.bibliothekssterben.de erschreckend viele sächsische Orte, Stadt- und Ortsteilbibliotheken zumeist. Dabei bestätigt jede Studie: Je näher vor Ort, desto akzeptierter ist die Bücherei. Seit Jahren geht der Medienetat zurück, die Öffnungszeiten werden zusammengeschrumpft, um die Konsolidierungsmaßnahmen der Kommunen zu erfüllen. Das trifft die großen wie die kleinen Häuser – denn nach wie vor gehören Bibliotheken zu den freiwilligen Aufgaben der Kommunen.
Um die Bibliotheken vor allem als Bildungsinstitutionen zu stärken, haben wir den Antrag „Bibliothekskonzeption für das Bildungsland Sachsen entwickeln“ gestellt. Gefordert wird eine Konzeption, die Anforderungen und Maßstäbe an ein modernes, betriebswirtschaftlich effizientes Bibliothekswesen formuliert. Zudem sollte geprüft werden, ob ein Bibliotheksgesetz erforderlich ist. Die Anhörung zu unserem Antrag ergab einhellige Zustimmung und obendrein die Bestätigung, dass ausnahmslos alle Experten ein Bibliotheksgesetz für die beste Lösung hielten. Die zweitbeste Lösung sei ein guter Bibliotheksentwicklungsplan. Davon zeigte sich die Koalition allerdings unbeeindruckt. Sie berief sich – in Verkennung seiner eigentlichen Aufgaben – auf das Kulturraumgesetz und verwechselte Bildungs- mit Kulturarbeit. Doch ist es uns mit dem Antrag gelungen, die Situation der Bibliotheken und ihre leider oft unterschätzte Bedeutung, die sie für die Bildung und für das lebenslange Lernen hat, auch dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen.Für uns ist die Zielstellung klar: Wir arbeiten an einem Bibliotheksgesetz.

Mehr Chancen für Frauen in der Kultur:
Die Ergebnisse der Großen Anfrage, die unsere Fraktion im November 2007 „Zur Situation von Männern in Sachsen“ stellte, zeigten auch im Kulturbereich deutlich auf, was in unserer Gesellschaft leider immer noch Realität ist: Es herrscht eben keine Chancengleichheit, wenn es um Einfluss, Bezahlung, Leitungsposten geht. Das erschreckende Ergebnis, dass nur zwei (aktuell sogar nur eine) von 28 dem Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst nachgeordneten Kultureinrichtungen von einer Frau geleitet werden, dass die Anzahl von Frauen in Jurys und Stipendien vergebenden Gremien nur verschwindend gering ist, nahmen wir zum Anlass, den Antrag „Mehr Chancen für Frauen in der Kultur“ zu stellen. Darin fordern wir, das Sächsische Frauenförderungsgesetz umzusetzen und die Gremien der Kulturstiftung künftig paritätisch zu besetzen, die Leitungspositionen künftig so zu besetzen, dass in den staatlichen Kultureinrichtungen bis 2020 eine Parität erreicht ist, ein Stipendium für Künstlerinnen mit Kind einzurichten und ein Frauenkulturbüro nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen aufzubauen.
KulturwirtschaftIn den vergangenen Jahren wurde den Verantwortlichen in Kultur und Wirtschaft die Bedeutung einer lang verkannten Branche immer mehr bewusst: Die Kultur- und Kreativwirtschaft trägt in Deutschland 2,6% zum Bruttoinlandsprodukt bei und liegt damit noch vor der Chemischen Industrie (2,1%) und nicht weit hinter der Automobilindustrie (3,1%). Während in anderen Bundesländern und auch auf Bundesebene mittlerweile ein Bewusstseinswandel stattgefunden hat und die Kultur- und Kreativwirtschaft nun bewusst und mit erheblichen Mitteln gefördert wird, fremdeln hierzulande Staatsregierung und Wirtschaftsförderung nach wie vor mit der Branche. Wir forderten mit unserem Antrag einen „Kulturwirtschaftsbericht für Sachsen“. Einen solchen hat die Staatsregierung mittlerweile in Auftrag gegeben. Nach unseren Informationen jedoch ohne konkrete Handlungsempfehlungen. Deshalb stellten wir dazu den Antrag „Stärkung der sächsischen Kulturwirtschaft nicht länger hinauszögern!“ Auch in den Haushaltsverhandlungen forderten wir die Einrichtung einer Anlaufstelle für die sächsische Kulturwirtschaft.

Öffentlichkeitsarbeit/Veranstaltungen

Mit zahlreichen Veranstaltungen gelang es uns, in oft festgefahrene Diskussionen wieder ein bisschen Bewegung zu bringen. Mit unserem Konzept, Sachverstand auch von außerhalb Sachsens einzuladen und anzuhören, konnten wir einige Anstöße liefern.

Veranstaltungen zur Museumslandschaft:

Wie weiter mit dem Haus der Archäologie?
Podiumsdiskussion am 24. April 2007, Chemnitz, Kaufhaus Schocken.

Viel beredet, keine greifbaren Ergebnisse – das war der Diskussionsstand zum Haus der Archäologie im Frühjahr 2007. Zwar standen die Umzugspläne für das Landesmuseum für Vorgeschichte von Dresden nach Chemnitz in das ehemalige Kaufhaus Schocken fest; doch war das ursprüngliche Ausstellungskonzept von der Fachwelt zerrissen, die Landesarchäologin in eine andere Abteilung versetzt und seitens der Regierung noch kein Vertrag unterschrieben worden. In dieser Situation lud die GRÜNE-Fraktion von einer von Karl-Heinz Gerstenberg moderierten Podiumsdiskussion ins Kaufhaus Schocken ein. Prof. Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums, sprach dem Haus und den Entwicklungsmöglichkeiten eines solchen Museums in Chemnitz große Chancen aus und sicherte die Zusammenarbeit mit den bedeutenden archäologischen Sammlungen in Deutschland und Polen zu. Und Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Direktorin des Westfälischen Museums für Archäologie, steckte mit ihrer Begeisterung für die Strahlkraft eines regionalen Archäologiemuseums alle Anwesenden an. Da konnte sich Staatssekretär Dr. Knut Nevermann nicht weiter auf die abwiegelnde Position zurückziehen. Ihm wurde an diesem Abend im kalten, noch unbeheizten Mendelsohn-Bau deutlich, dass die Chemnitzer für dieses Projekt brennen.Kurze Zeit später wurde Barbara Rüschoff-Thale in den Wissenschaftlichen Beirat des entstehenden Museums berufen und mit Thomas Frisch ein namhafter Projektkoordinator für das Haus der Archäologie benannt. link zur Veranstaltung

Wie weiter mit dem Japanischen Palais?
Podiumsdiskussion am 4. Juni 2008, Dresden

Japanisches Palais„Museum usui publico patens“ – diese Inschrift ziert seit 1784 das Japanische Palais: Museum, dem öffentlichen Nutzen gewidmet. Doch hartnäckig halten sich verschiedene Gerüchte: Science Center, Kindermuseum, Museum für Ostasiatische Kunst – oder doch ein Casino? Die Mitarbeiter der im Japanischen Palais ansässigen Museen – Völkerkunde, Tierkunde und Mineralogie, bis zum Umzug nach Chemnitz auch das Landesmuseum für Vorgeschiche – wissen am wenigsten über die Zukunft ihrer Arbeitsstätte. Sie wurden im Laufe der Jahre des Konzepte-Schreibens müde. „Wie weiter mit dem Japanischen Palais?“ fragte deshalb Karl-Heinz Gerstenberg in einer Podiumsdiskussion. Dr. Roland Steffan, ehemaliger Direktor des Völkerkundemuseums St. Gallen/Schweiz, Dr. Uwe Fritz, Leitender Direktor der Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen, und Dr. Thomas Schuler vom Sächsischen Museumsbund machten unmissverständlich klar, welches Potenzial in diesem Hause steckt, und dass keine der Sammlungen ein Stiefkind-Dasein verdient habe. Perspektiven haben auch die Mitarbeiter der Museen verdient. Das verstand auch Thomas Früh, Abteilungsleiter Kunst des SMWK.Zum Ende des Jahres 2008 beendete das Landesmuseum für Vorgeschichte seine Ausstellungstätigkeit in Dresden; seit dem 1.1.2009 gehören das Museum für Mineralogie und das Museum für Tierkunde zu den Senckenbergschen Sammlungen – derzeit ohne Ausstellungsfläche. Die auch auf der Veranstaltung vom SMWK angekündigte Museumskonzeption für Sachsen ist noch nicht erschienen.  Was ist uns die sächsische Industriekultur wert?Podiumsdiskussion am 9. Februar 2009, Industriemuseum ChemnitzSachsen glänzt auch jenseits des Dresdner Barocks mit Stolz: sächsischer Erfindergeist und sächsische Handwerks- und Ingenieurskunst haben den Freistaat erst zu dem gemacht, was da heute in den Dresdner Kunstsammlungen, in den Sächsischen Schlössern und Gärten so strahlt. Und noch mehr: Die sächsische Industriekultur erzählt von dem, was den Alltag in früheren Jahrhunderten prägte und noch heute ausmacht. 150 Besucher folgten der Podiumsdiskussion, zu der die GRÜNE-Landtagsfraktion ins Industriemuseum Chemnitz eingeladen hatte. "Wie viel ist uns die sächsische Industriekultur wert?" Denn wenn es um die inhaltliche und finanzielle Aufmerksamkeit geht, die die in Dresden angesiedelte Staatsregierung dem Zweckverband Industriemuseum mit seinem Hauptsitz in Chemnitz angedeihen lässt, dann ist die Frage mehr als berechtigt. Bei jeden neuen Haushaltsverhandlungen muss der Zweckverband zittern, ob die ihm zugestandenen Mittel noch ausreichen. Die jährliche Abschmelzung um jeweils sieben Prozent der staatlichen Mittel hatte keine gute Signalwirkung auf die Zahlungsbereitschaft der Kommunen. Und doch versicherte Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange, sie sei überzeugt von Konzept und Zukunft des Industriemuseums. Auch Dr. Michael Henker von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern und Prof. Dr. Rainer Wirtz, ehemaliger Direktor des Rheinischen Industriemuseums, brachten überzeugende Argumente für die noch wachsende Bedeutung der Industriekultur. Über das geeignete Trägerkonzept des Museums sollte man noch einmal reden. Als Vorbild einer Stiftung Sächsischer Industriekultur könne die entsprechende Stiftung in Nordrhein-Westfalen dienen. Die intensive Diskussion unterstrich die Brisanz des Themas.
SMWK und SMF haben mit Beratungen zu einer solchen Stiftung begonnen. Die Grüne-Fraktion wird einen entsprechenden Antrag stellen.

Kulturwirtschaft:

Wundertüte Kulturwirtschaft – Standortbestimmung und Perspektiven
Diskussion am 22. April 2008, Baumwollspinnerei Leipzig

In ganz Deutschland das neue Thema, in Sachsen noch weitgehend unbekannt, aber in Leipzig immerhin schon diskutiert – so verhält es sich mit dem Phänomen Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Branche ist nicht neu – mit der Produktion, dem Verkauf und der Darstellung von kulturellen Gütern verdienen Menschen seit Jahrhunderten ihr Geld. Aber dass und wie viel die Branche an Wertschöpfung erwirtschaftet, nimmt die Politik erst seit einigen Jahren wahr. In Sachsen hat man sich der Problematik noch später als anderswo angenommen.

Auf einer Diskussion im Rahmen der Kultur-Hochschultour diskutierten wir in der Baumwollspinnerei Leipzig – dem Inbegriff der gelungenen Leipziger Kreativwirtschaft – mit den Akteuren vor Ort. Produktdesigner Jan Hartmann, der aus der Not eine Tugend gemacht und aufgrund fehlender Plattformmöglichkeiten für Designer die Designer’s Open in Leipzig gegründet hat, wusste aus eigener Erfahrung zu berichten, wie lang die Wege zwischen Kultur- und Wirtschaftsamt und wieder zurück sein können. Er vermisst bei der Verwaltung eine Sensibilisierung für die Besonderheiten der Branche: Dass nämlich sowohl kulturelle als auch Wirtschaftsaspekte betroffen sind. Anna-Louise Kratzsch vom Leipzig International Art Programme (LIA) gab auch der Szene selbst eine Teilschuld am Wahrnehmungsproblem. Nicht wirklich ernsthaft interessiere man sich während des Studiums für die betriebswirtschaftlichen Belange der Kulturberufe, die man doch später einmal ausüben wolle. Das habe nichts mit einer Kommerzialisierung der Kunst zu tun, sondern sei schlicht notwendig fürs Berufsleben. Dr. Bastian Lange, Mitautor am ersten Sächsischen Kulturwirtschaftsbericht, warf der Politik vor, die Branche zu unterschätzen und nicht Ernst zu nehmen. Dabei sei gerade die Kreativwirtschaft eine hervorragende Möglichkeit, Leipzig nicht nur auf seine glänzende Vergangenheit zu beschränken.Die Stadt Leipzig hat auch mit Unterstützung der bündnisgrünen Stadtratsfraktion ein EU-Projekt zur Unterstützung der Kreativwirtschaft auf den Weg gebracht. link zur Veranstaltung

Kulturwirtschaft in Dresden – Standortbestimmung und Perspektiven
Diskussion am 2. Dezember 2008, Dresden, Galerie Baer

Noch nicht ganz so konkrete Vorstellungen von der Kulturwirtschaft hat man in Dresden. Gleichwohl war das Interesse an der Veranstaltung genauso groß wie in Leipzig. Galerist Patrick Daniel Baer erzählte von seinen – letztlich erfolglos gebliebenen – Überzeugungsversuchen, von der Sächsischen Aufbaubank Unterstützung für Kunstmessenbesuche zu erhalten. Später, als seine Galerie besser lief, sei ihm dann Unterstützung angeboten worden. Architektursoziologin Katja Friedrich, die auch am ersten Sächsischen Kulturwirtschaftsbericht mitgeschrieben hat, empfahl eine bessere Vernetzung sowohl innerhalb der Szene als auch in die Verwaltung hinein. Mehr Eigeninitiative von den betroffenen Künstler und Kulturschaffenden forderte Buchhändler Michael Bormann. Mit Fragen geradezu bestürmt wurde Silvia Hustedt vom Gründerzentrum Kulturwirtschaft Aachen. Dort wird längst praktiziert, was sich die Akteure hier kaum zu träumen waren: spezifische, auf die Branche zugeschnittene Beratung. Die rege Debatte während und nach der Podiumsdiskussion bewies, dass großer Klärungs- und Handlungsbedarf bedarf besteht.Mitte März wird der erste Sächsische Kulturwirtschaftsbericht veröffentlicht. Die GRÜNE-Fraktion hat einen Antrag „Stärkung der sächsischen Kulturwirtschaft nicht länger verzögern“ vorgelegt, der die sofortige Umsetzung der auch auf Bundesebene existierenden Handlungsempfehlungen fordert.

Unesco-Welterbe

Montanregion Erzgebirge als Unesco-Welterbe – Stillstand oder Chance für die Region?

Diskussion am 9. März 2009, Schneeberg, Kulturzentrum Goldene Sonne

Bedeutet die Verleihung des Titels „Unesco Welterbe“ für das Erzgebirge den endgültigen Stillstand für die Region, oder bieten sich ungeahnte Chancen? Diese Fragen diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium vor und mit mehr als 150 Interessierten in Schneeberg.Helmuth Albrecht, Leiter der Arbeitsgruppe des Welterbe-Projektes, hielt ein begeisterndes Plädoyer für die Chancen, die sich der Region mit dem Unesco-Titel bieten könnten. Wirtschaftliche, denkmalpflegerische und Naturschutzaspekte müssten kein Widerspruch sein.
Frieder Stimpel, Bürgermeister von Schneeberg, sieht das ähnlich. Deshalb unterstützt er das Projekt.

Steffen Flath (CDU) blieb skeptisch, gerade nach der Diskussion um die Dresdner Waldschlößchenbrücke. Er warnte davor, mit dem Unesco-Titel einen neuen Schutzschild über das Erzgebirge zu legen. Karl-Heinz Gerstenberg ermunterte die Erzgebirger den wichtigen Diskussionsprozess nicht zu scheuen. Skeptiker seien wichtig, Blockierer aber hinderlich. Schön wäre es, könne man später sagen: „Aus Dresdens Fehlern lernen heißt, Welterbe richtig machen.“

Fachgespräche:
Braucht Sachsen ein Bibliotheksgesetz?

Fachgespräch am 28. Juni 2007 im Sächsischen Landtag

Der Medienetat schrumpft, die Öffnungszeiten werden zusammengekürzt, immer wieder muss eine Zweigstelle schließen – kein Politiker würde sich gegen Bibliotheken aussprechen, aber ihre Wertschätzung hält sich offenbar in engen finanziellen Grenzen. Kann ein Bibliotheksgesetz das ändern? Bibliotheken gehören in Deutschland zu den kulturellen Aufgaben, sind also freiwillige Aufgaben der Kommunen. Hier Gesetze zu erlassen, ist nicht einfach. Und doch gibt es in mehreren Ländern entsprechende Vorstöße. Dr. Karl-Heinz Gerstenberg wollte in dem Fachgespräch wissen, ob auch Sachsen mit einem Bibliotheksgesetz besser dastünde, oder ob andere Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung des sächsischen Bibliothekssystems ausreichen könnten. Dr. Frank Simon-Ritz, Vorsitzender des Thüringer Bibliotheksverbandes, stellte den entsprechenden Thüringer Gesetzentwurf vor. Angesichts der dramatischen Zustände, mit denen aufgrund ständiger Sparauflagen die Thüringer Bibliotheken zurecht kommen müssten, versuchte sein Verband, mittels des sehr weich formulierten Gesetzentwurfes immerhin einen gewissen Mindeststandart sicherzustellen. Sein Kollege Jürgen Seefeldt aus Rheinland-Pfalz brachte einen weitergehenden Gesetzentwurf mit; gleichzeitig aber die entmutigende Aussage eines Staatssekretärs, dass man wegen des Konnexitätsprinzips wohl nichts erreichen könne. Dr. Arend Flemming, Direktor der Städtischen Bibliotheken Dresden, vertrat die Auffassung, dass ein Bibliotheksgesetz nicht unbedingt nötig sei, wenn es einen konkret formulierten und von der Staatsregierung auch gewollten Landesentwicklungsplan für Bibliotheken gäbe.

Im Ergebnis dieser Anhörung reichte die GRÜNE-Fraktion den Antrag „Bibliothekskonzeption für das Bildungsland Sachsen entwickeln“ ein.

Nach der Rede des Bundespräsidenten Horst Köhlers anlässlich der Wiedereröffnung der Anna Amalia Bibliothek in Weimar am 15. Oktober 2007, in der er dringend ein Bibliotheksgesetz empfahl, reichten sowohl SPD und Linke, als auch die CDU jeweils einen Gesetzentwurf ein. Im Juli 2008 trat das Thüringer Bibliotheksrechtsgesetz in Kraft, das allerdings von Seiten der Bibliotheken heftig kritisiert wird.Wir arbeiten an einem eigenen, weiter reichenden Gesetzentwurf.

Ein Kunststück?! – Mehr Chancen für Frauen in der Kultur
Fachgespräch am 5. März 2009 im Sächsischen Landtag

Frauen verdienen weniger, nehmen selten Leitungspositionen ein, bekommen weniger Anerkennung – auch im Kulturbetrieb. Dies unterstrich das Fachgespräch „Ein Kunststück?! – Mehr Chancen für Frauen in der Kultur“. Ursula Theißen vom Frauenkulturbüro Nordrhein-Westfalen betonte, dass der Kampf der Frauen um gleiche Teilhabe im Kulturbetrieb Ausdauer und Druck aus der Bevölkerung brauche. „Erst dann bewegen sich Politik und Verwaltung." „Aus der Analyse der vergangenen 20 Jahre wissen wir, dass eine Förderung, die auf die paritätische Besetzung von Spitzenpositionen abzielt, wahrscheinlich die richtige Lösung ist", erklärte Katja Mieth, die als Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen allein unter Männern in der Kulturverwaltung des Freistaates ist. „Die Erfolge einer solchen Regelung in anderen Ländern geben diesem Weg recht." Nach wie vor sei allein die Möglichkeit, dass Frauen schwanger werden und durch Erziehungszeit ausfallen könnten, in Besetzungsgremien häufig der Grund, sich für einen Mann zu entscheiden. „Spätestens, wenn sie Mütter werden bekommen Künstlerinnen der verschiedensten Kunstgenres diese mittelbare Zurücksetzung zu spüren", bestätigte Ute Hartwig-Schulz vom Künstlergut Prösitz. Ein Instrument, hier gegenzusteuern, könnten spezielle Stipendien sein. Im Künstlergut werden bereits maßgeschneiderte Stipendienaufenthalte für Bildhauerinnen mit Kind angeboten. „So lange Frauen in Spitzenpositionen eine Ausnahmeerscheinung sind, brauchen wir eine besondere Frauenförderung", so das Fazit von Karl-Heinz Gerstenberg. Pressemitteilung zur Veranstaltung